Die Heldenreise für deinen Roman - Das perfekte Handlungsgerüst

Gibt es eine ideale Struktur für einen Roman? Kann man sie als Vorlage verwenden? Macht sie das Schreiben von Romanen einfacher? Die Antwort: Ja! Die Heldenreise hilft dir unglaublich!

Aber: Leider reicht es nicht, wie bei einem Lückentext ein paar Worte einzufügen. Die Heldenreise ist viel komplexer. Aber absolut lernbar.

Ganz wichtig: Sie ist eng mit der Hauptfigur verknüpft, denn deine Figur „ist“ die Geschichte. Daher setze dich gut mit ihr auseinander. In meinem Artikel über Figuren (den findest du hier) haben wir durchdachte Hauptpersonen entworfen.
Nachdem du dir viele Gedanken über deine Charaktere gemacht hast, das Weshalb und Warum ihrer Psyche, sowie ihrer tiefsten Abgründe und ehrenhaftesten Eigenschaften, geht es jetzt so richtig ans Eingemachte: Die Handlung beginnt:

Und … Action – die Spannung steigt!

Du hast vielleicht schonmal von dem klassischen Aufbau einer Geschichte gehört:

  •             Anfang / Einleitung            –          1. Akt
  •             Mitte / Hauptteil                –          2. Akt
  •             Ende / Schluss                  –          3. Akt

Hilft dir diese Aufteilung wirklich beim Schreiben? Vielleicht ein bisschen. Aber ein Garant für Spannung ist es so leider nicht.

Es geht besser: mit der Heldenreise. Denn die Heldenreise ermöglicht es dir, abwechslungsreiche und packende Geschichten zu schreiben.

So viele Autoren haben schon das totale Aha-Erlebnis gehabt, wenn sie die Heldenreise entdeckt, verstanden und angewendet haben. Sie ist einfach genial! Probier sie unbedingt aus!

1.   Das Geheimrezept für das Handlungsgerüst: die „Heldenreise“

Was genau ist denn jetzt die Heldenreise und warum ist sie so genial?

Der Mythenforscher Joseph Campbell hat Mythen aus allen Zeiten und Teilen der Welt miteinander verglichen. Dabei fand er heraus, dass bestimmte Elemente und Geschehnisse immer wieder vorkommen. Er baute daraus einen abstrakten Geschichtenablauf und nannte dies „Die Reise des Helden“.

Als „Hollywood“ davon erfuhr, müssen Augen geleuchtet haben!
„Ein Geschichtenkonzept, das zeit- und kulturübergreifend ist? Das müssen wir ausprobieren und danach eine Geschichte konzipieren!“ Und was entstand: „Star Wars“. Ein riesiger Erfolg!
Christopher Vogler hat die Heldenreise für Schreibende abgewandelt. Sein Buch „Die Odyssee des Drehbuchschreibers“ ist für alle Schreibenden absolut empfehlenswert – nicht nur für Drehbuchautoren. :-)

Mini-eBook Heldenreise

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Die Heldenreise funktioniert. Vor allem, wenn man sie als ein psychologisches Plotmodell sieht (Plot ist das Handlungsgerüst für eine Geschichte). Denn sie ist kein Rezept, bei dem immer gleich schmeckende Gerichte herauskommen, sondern ein Werkzeug, mit dem man Geschichten ein spannendes, tragendes Rückgrat geben kann.

Weil die Heldenreise aber ein psychologisches Plotmodell ist, braucht sie Zeit und Pflege, bis sie für den geplanten Roman passt. Vor allem zum Ende hin wird es knackig.

Hier stelle ich die wichtigsten Punkte aus der Heldenreise vor.

  1. Akt

  • Die normale Welt
    Zu Beginn sieht man die Hauptfigur, auch Held genannt, in ihrem Alltag. Der Leser erfährt, mit wem er die kommende Zeit verbringen wird, gewinnt diese Figur mehr oder weniger lieb und erspürt, dass die Figur ein unerfülltes, inneres Bedürfnis hat.
    Nicht in allen Geschichten wird die normale Welt zu Beginn gezeigt. Heute ist es modern, gleich mit dem Auslöser zu beginnen. Das funktioniert aber nur dann, wenn der Auslöser allgemein verständlich ist und der Leser sofort begreift „oh ja, das ist heftig!“
  • Der Auslöser 
    Deine Figur wird aus dem Alltag herausgerissen und gezwungen zu handeln. Vielleicht nicht sofort, aber bald. Vielleicht verliert sie ihren Job, ihr Haus, bekommt die Diagnose Krebs. Vielleicht erhält sie aber auch die Aufnahmebestätigung zu einer besonderen Schule, erfährt, dass sie etwas geerbt hat, im Lotto gewonnen hat oder trifft auf die große Liebe.
    Egal was es ist, es muss so wichtig sein, dass sie handelt oder dass etwas für sie Schlimmes passiert, wenn sie nicht handelt.

 

  1. Akt

  • Ein Ziel und viele Aufs und Abs
    Deine Figur hat sich nach dem Auslösenden Ereignis ein Ziel gesetzt. Er will etwas, aber das bekommt er natürlich nicht sofort. Sonst hättest du ja keine Geschichte. (Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber das würde hier den Rahmen sprengen, hier kann ich nur auf die klassische Version eingehen. Wenn du die Heldenreise einmal verinnerlicht hast, kannst du natürlich auch wunderbar mit den einzelnen Punkten spielen und neue Wege ausprobieren.)
    Nun wird dein Held verschiedene Dinge ausprobieren, um an sein Ziel zu gelangen – mal mit mehr, mal mit weniger Glück. Er wird dabei auf Helfer und auf Feinde treffen (oder auch nur auf innere Widerstände).
  • Die Katastrophe
    Dein Held wird sein Ziel aber normalerweise nicht erreichen. Schlimmer noch, er wird sein inneres Bedürfnis nicht erfüllen können (das, was er braucht, um „heil“, ganz und glücklich zu werden). Er gelangt an einen pechschwarzen Punkt in seinem Leben. Aber genau das braucht er, um Altes gehen lassen zu können und wie ein Phönix aus der Asche auferstehen zu können. Dazu gleich mehr. Aber vorher ist es wichtig, dass du deinen Helden keinesfalls schonst, sondern ihn ganz und gar in sein Unglück stürzt.

 

  1. Akt

  • Die überraschende, aber logische Wende
    Der schwarze Moment in dem Leben deiner Figur, ermöglicht es deiner Figur, sich zu verändern. Etwas, das uns Menschen immer schwer fällt. Aber genau dann, wenn nichts mehr geht, ergeben wir uns meist. Und als Geschenk erhalten wir die Möglichkeit, Neues willkommen zu heißen. Schenke deiner Figur nicht Lösung die zu ihrem Problem. Das würde den Leser nur unbefriedigt zurücklassen. Deine Figur muss sich ihr Glück erkämpfen und verdienen. Wenn sie sich entwickelt hat, hat sie meist auch Fähigkeiten, mit denen sie das Happy End bewirken kann.
  • Der Ausblick: Deine Figur kehrt zum Alltag zurück
    Der Leser braucht noch etwas Zeit, um sich von der spannenden Geschichte und Figur zu verabschieden. Er möchte auch das Happy End noch einen kleinen Moment genießen. Dafür zeigst du ihm am besten deine Figur in seinem „neuen“ Alltag. Der Leser sieht die Figur gereift, glücklich oder zumindest mit besseren Chancen, nun glücklich zu werden.

 

2. Wenn sich der Dramamaus die Haare sträuben

Betrachtet man die Spannung in einer Geschichte einmal grafisch, so steigt zu Beginn die Spannung stark an, hat einige Aufs und Abs im zweiten Akt (das Fell der Maus sträubt sich vor Spannung) und fällt im dritten Akt steil ab. Das Mäuseschwänzchen ist der Ausklang der Geschichte (und im Buch kürzer, als hier für das Bild gemalt).

Ich hoffe, diese Grafik veranschaulicht dir gut, wie die Spannung in der Heldenreise verläuft.

 

3. So baust du eine spannende Handlung mit der Heldenreise auf:

Schon sind wir bei der ganz knappen Zusammenfassung. Schreibe sie dir gern heraus (du kannst dir auch gern etwas weiter unten das Mini-eBook dazu herunterladen) und hänge sie dir zum Beispiel neben deinen Computer.

  • Die Figur wird aus dem Alltag herausgerissen
  • Die Figur handelt, hat ein Ziel
  • Die Figur erlebt die absolute Katastrophe
  • Die Figur entwickelt sich und bekommt ihr Happy End

Klingt so einfach, wenn man die Punkte hier liest, oder? Aber die Heldenreise braucht wirklich Übung. Besonders der Punkt mit der Entwicklung ist wichtig und wird gern mal übersehen, weil er nicht so einfach umzusetzen ist. Auch der Weg von der Katastrophe zum Happy End ist meist schwierig. Das Happy End soll ja überraschend aber logisch sein.

Tipp: Untersuche deine Lieblingsgeschichten und -filme im Hinblick auf die Heldenreise! Das wird dir das Konzept der Heldenreise näher bringen und schon bald verwendest du es intuitiv für deine Romane. Natürlich lohnt es sich auch, die Figuren genauer zu betrachten!

Dann heißt es Loslegen! Werde selbst zum Superhelden und schreibe mit Hilfe der Heldenreise deinen besten Roman.

In meinem nächsten Blogartikel erzähle ich dir dann, wie du mit Worten spielst und den Leser fesselst.

In dem Sinne, viel Spaß beim Erschaffen,

deine Jurenka

P.S.: Wie verwendest du die Heldenreise? Hilft sie dir? Ich freue mich über deinen Kommentar!

P.P.S.: Wenn deine Figuren stehen, du jetzt weißt, wie du dein Handlunsgerüst aufbaust, dann könnte dich als nächstes interessieren, worauf es wirklich ankommt, wenn du deinen eigentlichen Roman schreibst. Hier findest du dazu den nächsten Artikel mit der wichtigsten Technik, wie ich finde, um Kopfkino beim Leser zu erzeugen.

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Über den Autor:

Jurenka Jurk ist selbst Romanautorin, ihr Roman ist bei Weltbild erhältlich. Aber hauptsächlich unterrichtet sie mit Leidenschaft und viel persönlicher Betreuung, wie man Romane schreibt. Sie hat 2009 den Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der IB Hochschule Berlin abgeschlossen und seither mehr als 200 angehende Autoren Schritt für Schritt bei ihren Schreibprojekten begleitet. www.schreibfluss.com
  • Lisa sagt:

    Hallo,

    ein wirklich interessanter Artikel! Und wenn ich das Ganze so überdenke, finde ich diesen Aufbau in allen meinen Lieblingsbüchern wieder :)

    Liebe Grüße, Lisa

    • Jurenka sagt:

      Danke dir, Lisa! Ja, das lohnt sich, die Lieblingsbücher mal danach anzuschauen. Schön, dass dir der Artikel gefallen hat! :-)

  • Echt ein wirklich toller Beitrag! :)
    Wenn man ein wenig nachdenkt, dann findet man dieses Konzept ja fast in allen Filmen und in sehr vielen Büchern wieder. Vielen Dank für diesen Artikel – ich hatte definitiv ein AHA-Erlebnis :D
    Liebe Grüße,
    Fabian

    • Jurenka sagt:

      Hallo Fabian,
      stimmt, das Konzept steckt in so vielen Büchern und Filmen. Es funktioniert einfach gut. Und so cool, dass du ein Aha-Erlebnis hattest! Das freut mich mords :-)

  • Cynthia sagt:

    Hallo, was für ein spannender Artikel. In meinem Job ist Storytelling eins DER Buzzwörter und die Heldenreise auch. Sehr gute und verständliche Erklärung von dir. :) LG, Cynthia

    • Jurenka sagt:

      Hallo Cynthia, freut mich sehr, dass der Artikel dir gefallen hat. Ja, Storytelling ist ja gerade total „in“. Vielleicht ist der ARtikel ja auch für Blogger und andere Texter ganz nützlich. Würde mich ja freuen.
      Viele Grüße,
      Jurenka

  • Sehr gute Tipps! Die kann man auf jeden Fall auch beim Bloggen anwenden, muss ja nicht immer gleich ein Roman werden ;)
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

    • Jurenka sagt:

      Absolut, liebe Sylvia. Mit ein bisschen Interpretation kann man das Heldenreisemodell für ganz viele Texte verwenden. :-)

  • Denise sagt:

    Ich finde gerade die Darstellung mit der Dramamaus sehr lustig und dennoch wirklich hilfreich! So kann man sich die einzelnen Akte und deren jeweilige Unterteilungen richtig gut vorstellen und weiß wo man die wirklichen Spannungspunkte braucht!
    So ein Modell kann tatsächlich ja auch schon für Schüler und eben auch Blogger empfehkenswert und hilfreih sein!

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

    • Jurenka sagt:

      Die Dramamaus liebe ich auch. Schön, dass sie dir gefallen hat :-)

  • Ein schöner Beitrag. Und ich konnte viele Elemente aus meinen Lieblingsbüchern wieder erkennen. Es scheint also zu funktionieren.

    • Jurenka sagt:

      Super, das freut mich :-)

  • Super Beitrag, gern gelesen.
    LG Frank

  • Jasmin sagt:

    Sehr interessanter Artikel, das Konzept funktioniert auf alle Fälle bei den Bücher-

    LG Jasmin

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