Mitreißende Romane schreiben

Show, don't tell: Wort für Wort deinen Roman zu einer packenden Reise für den Leser machen

„Harry Potter“, „Fifty Shades of Grey“ oder „Vom Winde verweht“ - was macht einen Roman eigentlich zum Erfolg?

Ich werde nicht müde es zu sagen:

Romane schreiben kann man lernen!

Ich habe dir in meinem Artikel über Figuren bereits einige Tipps gegeben, wie du deine Figuren facettenreich darstellst, und auch den Aufbau eines spannenden Handlungsgerüstes haben wir bereits auf Erfolgsrezepte untersucht. Jetzt geht es aber ans Eingemachte.

Du hast einen Plan oder eine Idee für deinen Roman. Aber wie SCHREIBST du ihn denn nun auf der Wortebene?

Die beste Idee nutzt nichts, wenn man sie nicht auf´s Papier bringen kann.

Und da liegt genau das Problem: Der erste Satz ist oft der schwerste.

Tipp: Kümmere dich um den ersten Satz ganz zum Schluss!

Erstmal losschreiben, später feilen!

Selbst wenn man den ersten Satz gemeistert hat, geht es weiter:

Wie viel Ausschmücken ist angemessen, wie und welche Adjektive und Adverbien verwendet man?

Was packen wir sonst noch in den Koffer namens „Text“, damit die Reise für den Leser ein freudiges Abenteur und keine Enttäuschung wird?

Alles beginnt mit einem Wort

Es ist in gewisser Weise tatsächlich wie Kofferpacken für eine lange Reise: Wir wollen nicht zu viel mitnehmen, sodass der Koffer zu schwer wiegt und auf dem langen Weg zur Qual wird. Aber, wenn wir die Grundausstattung vergessen, wird die Reise auch schnell ein Spießrutenlauf, je nachdem, was genau wir vergessen haben.

Daher zeige ich dir jetzt, was unbedingt auf deiner textlichen „Packliste“ stehen sollte:

Die richtigen Worte finden - Kino im Kopf erzeugen

Die Lösung heißt:


Show don't tell - Zeigen, nicht berichten


Kopfkino

"Show don't tell" ist die eine, die wichtigste Schreibtechnik für mich!

Einen Polizeibericht mit „Alice im Wunderland“ zu vergleichen, macht uns schnell den Unterschied klar zwischen einem Text, den man kein bisschen genießt und einem Schreibstil, der uns in seine Welt zieht.

Sachliches Berichten wirkt in Romanen nicht packend, das gehört in Zeitungsartikel. Den Leser an die Hand nehmen und ihn vor seinem innernen Auge sehen lassen, was gerade passiert, das ist das Geheimnis. So geht der Leser ganz in den Worten auf - er lebt selbst in der Geschichte.

Es ist wie Kopfkino für den Leser!​

Beispiel 1

Anton fuhr die kurvige Straße entlang. Er öffnete das Fenster und schaute auf die schönen Blumenwiesen am Straßenrand. Er genoss die Fahrt.

Beispiel 2

Anton drosselte das Tempo und kurbelte das Fenster seiner Rostlaube herunter. Rings um ihn wogten Blumen in den Feldern. Die würzige Bergluft drang herein und spielte mit seinem Haar. Er atmete tief durch.

Kannst du den Unterschied erkennen? Sicher sind dies keine nobelpreisträchtigen Texte, aber es geht um ihre Wirkung. Ist es mir gelungen, im zweiten Beispiel mehr Bilder in deinem Kopf zu erzeugen? Siehst du vor deinem inneren Auge, wie Anton kurbelt, die Blumen sich hin und her wiegen, der Wind mit Antons Haaren spielt und er einatmet?

Der Unterschied: Schreibe aktiv und konkret!

  • Wenige, nicht ersetzbare Adjektive und Adverbien, dafür konkrete Verben und Nomen
  • Keine Wertung durch Verben wie „schön“ etc.

Sinnliche Details

Im zweiten Beispiel habe ich keine Wertungen durch unkonkrete Beschreibungen verwendet, wie durch „schön“, „angenehm“ oder auch „abscheulich“, „furchtbar“ (oder das Verb „genießen“).

Ich habe nur gezeigt, was Anton macht! Die Handlung steht im Vordergrund und lässt dem Leser Raum, diese zu deuten. Der Leser versteht aus dem Kontext, dass Anton langsamer fährt, weil er die Fahrt schön findet und nicht, weil im bei den Kurven schlecht wird. Dieses Zeigen nimmt den Leser mit auf die Reise.

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Emotionen zeigen

Noch ein Beispiel: Emotionen

Er hatte Angst (ein Bericht). Besser:

  • Er schwitzte, seine Knie zitterten
  • Er wischte sich die feuchten Hände an der Hose ab.

​Frage dich, was deine Figur fühlt, wo und wie sie es fühlt. Als nächstes stelle dir vor, was genau sie tut.

Nur zeigen, nicht berichten, das ist der Trick

Aber Achtung: Bremse dich, wenn du zusätzlich erklären willst, was du schon gezeigt hast!

Beispiel: Er drückte sich eine Hand auf den Bauch und presste die Lippen aufeinander. Ihm wurde schlecht.

Streiche den zweiten Satz getrost und gib dem Leser die Möglichkeit, selbst zu interpretieren.

Schreibübung

Hier habe ich noch eine kleine Übung für dich, damit du „Show, don't tell“ richtig gut verinnerlichen kannst:

Stell dich nach draußen, schließe zunächst deine Augen und nimm alles in dich auf, was du fühlst, riechst und hörst. Danach kannst du die Augen öffnen und auch die optischen Eindrücke sammeln (da diese aber sehr dominant sind ist es sinnvoll, erst mal "blind" zu beginnen).

Wie fühlt sich die Temperatur an (bitte keine Gradzahlen, sondern dein Gefühl)? Was riechst du? Woran erinnert dich der Geruch - hast du Erinnerungen, die davon wach werden? Was hörst du - auch in der Ferne? Welche Details siehst du, wenn du eine Sache etwas genauer betrachtest?

Mit allen Sinnen wahrnehmen

Nimm dir 5 Minuten, um alle Sinneseindrücke in dich aufzusaugen.
Setz dich danach hin und schreibe 10 Minuten lang eine Beschreibung deiner Eindrücke, die gern durch Fantasie ergänzt werden darf.

Übe unbedingt beides: das Wahrnehmen und das Aufschreiben!

Variante für Schlechtwettertage oder Fernwehleidende: Stell dir deine Lieblingsjahreszeit an deinem Lieblingsort vor, und mache das gleiche Spiel, aber allein aus deiner Vorstellungskraft.

Im letzten Teil der Erfolgs-Serie zeige ich dir dann, wie du deinen Roman so überarbeitest, dass er garantiert gut ist.

Und denk daran: Alles begint mit einem Wort.
Und dann kommt noch ein Wort und noch eines ...

In diesem Sinne, viel Spaß beim Schreiben!

Deine Jurenka

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Über den Autor:

Jurenka Jurk ist selbst Romanautorin, ihr Roman ist bei Weltbild erhältlich. Aber hauptsächlich unterrichtet sie mit Leidenschaft und viel persönlicher Betreuung, wie man Romane schreibt. Sie hat 2009 den Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der IB Hochschule Berlin abgeschlossen und seither mehr als 200 angehende Autoren Schritt für Schritt bei ihren Schreibprojekten begleitet. www.schreibfluss.com
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