Selbstsabotage mit Schwellentroll

Hast du manchmal das Gefühl, dass die ganze Welt gegen dich ist, wenn du an deinem Buch schreibst? Das Schreiben will nicht fließen, du verlierst die Lust und lässt dich schnell ablenken. Plötzlich ist die Facebook-Timeline dein bester Freund, du räumst sehr engagiert deine Wohnung um und versuchst geflissentlich den Gedanken zu ignorieren, dass du ja eigentlich schreiben solltest.

Genau im richtigen Augenblick erreicht dich dann auch noch eine Geburtstagseinladung, die du unmöglich ausschlagen kannst. Vorher noch schnell schreiben?​

Doch ausgerechnet jetzt verstrickst du dich in einen Streit mit deinem Partner und als sich die Wellen endlich geglättet haben, hast du ganz sicher keine Energie mehr auch nur einen Stift in die Hand zu nehmen. Ganz zu schweigen von der utopischen Kraftanstrengung, den PC anzumachen und einen Absatz für dein Herzensbuch zu schreiben.

Spätestens jetzt tauchen die ersten Zweifel auf. Warum ist die ganze Welt gegen mich, wenn ich schreiben möchte? Bin ich vielleicht nicht gut genug? Ist es mir einfach nicht bestimmt, mein Buch zu schreiben?

Was da los ist? Du bist dabei, deinen eigenen Schreiberfolg zu sabotieren. Und zwar auf den verschiedensten Wegen.

Die Schwellentroll-Krankheit

Deine ganzen Probleme haben eigentlich nur eine einzige Ursache: Du besitzt einen tatkräftigen Schwellentroll. Der Schwellentroll ist der Anteil in dir, der gar nicht möchte, dass du dein Buch fertigschreibst. Er kann die verschiedensten Formen annehmen und sehr gemein sein.

Der Schwellentroll flüstert dir Selbstzweifel und Gemeinheiten ins Ohr, nimmt dir die Freude am Schreiben und organisiert ordentlich Ablenkung von dritter Seite. Solange du ihm verfallen bist, hat dein Buch keine Chance. Er sitzt nämlich – wie sein Name schon sagt – auf der Schwelle zu deinem Erfolg und er wird dich nicht einfach so vorbeilassen.

Jetzt ist deine Kreativität gefragt: Was tust du, wenn du einen Feind langfristig unschädlich machen willst? Na klar, du lernst ihn erst einmal kennen. Du analysierst seine Beweggründe und seine Handlungsmuster, damit du ihn auf bestmögliche Weise aufhalten kannst.

Was will der Schwellentroll eigentlich?

Wie alle guten Antagonisten ist der Schwellentroll nicht einfach nur böse. Er hat Beweggründe für sein Handeln und die gilt es zu verstehen. Immerhin ist der Schwellentroll – auch wenn er sich noch so unangenehm anfühlt – ja ein Teil von dir. Und deswegen ist es eigentlich nur logisch, dass er dir gar nicht schaden will.

Vielleicht denkst du jetzt: Na toll, besonders hilfreich ist dieser Kerl aber nicht gerade. Er selbst jedoch wird das anders sehen. ;-)

Der Schwellentroll ist eng verknüpft mit dem Teil von dir, dem deine Sicherheit besonders am Herzen liegt. Nur deswegen legt er dir Steine in den Weg: Damit du nichts tust, was du später vielleicht bereust.

Die Obergrenze

Langweilig und bequem

Sicherlich kennst du die Sache mit der Komfortzone: Drinnen ist es schön kuschelig, aber langweilig; draußen dagegen schlottern dir die Knie, dafür geht es aber voran in deinem Leben.

Deine Komfortzone endet an einer Obergrenze, die unter anderem dafür sorgt, dass du dich nicht vollkommen überarbeitest und im Großen und Ganzen sicher bist. Diese Obergrenze limitiert aber noch ganz andere Dinge. Zum Beispiel hast du auch eine Obergrenze für Erfolg und für Glück.

Angst vor Neuem

Das heißt: Wenn du dich selbst sabotierst, bedeutet das nicht unbedingt, dass du auf dem falschen Weg bist. Meistens setzt Selbstsabotage ein, wenn du eine unsichtbare Obergrenze von was auch immer erreicht hast. Von Erfolg vielleicht?​

Somit ist es viel wahrscheinlicher, dass du tatsächlich auf dem richtigen Weg bist, aber dein Schwellentroll sich einfach in die Hose macht. ;-)

Selbstsabotage ist wirklich nervig, aber ich habe eine gute Nachricht für dich: Erstens kannst du dir die Obergrenze wie eine dehnbare Gummihaut vorstellen (und nicht wie eine Mauer) und zweitens kannst du auch gegen bereits eingetretene Selbstsabotage-Mechanismen noch etwas tun.

Im Folgenden findest du acht Tipps gegen Selbstsabotage:

Meine Tipps gegen Selbstsabotage beim Schreiben

1) Klarheit

Das Erste, was du brauchst, um deine Selbstsabotage einzudämmen, ist Klarheit und Ehrlichkeit: Das heißt: Mache dir selbst nichts vor, sondern stehe dazu, dass du dich gerade selbst sabotierst. Beobachte dich und finde heraus, was du ganz genau tust, um dich zu sabotieren.

2) Kannst du dich spüren?

Selbstsabotage entsteht häufig dann, wenn wir uns überfordern und völlig übers Ziel hinausschießen. Deswegen ist es wichtig, dass du gut spürst, wie viel du dir gerade zumuten kannst. Manchmal lohnt es sich, eine kleine Pause einzulegen und deinem sicherheitsfanatischen Teil zu versichern, dass er sich keine Sorgen um dich machen muss.

3) Machbare Schritte

Wenn dein Romanprojekt noch wie ein riesiger Berg voller unerledigter Aufgaben vor dir liegt, ist der Schwellentroll rasch zur Hand. Versuche daher, dein Projekt in kleine und kleinste Arbeitsschritte zu unterteilen.

4) Feste Zeitfenster

Wenn du einfach nicht zum Schreiben kommst und dich ablenkst, dann besorge dir einen Wecker und stelle ihn auf eine Stunde. Während dieser Stunde tust du nichts außer schreiben, selbst dann, wenn das Ergebnis grässlich ist. Und wenn dir absolut nichts einfällt? Dann sitzt du eben eine Stunde da. Aber du gibst nicht nach und gehst nicht auf Facebook! Unter keinen Umständen!

Kleine Schritte zum Ziel

5) Sei dir der Obergrenze bewusst und dehne sie sanft aus

Deine Obergrenze ist dehnbar. Du kannst sie vielleicht nicht mit einem Ruck durchbrechen, aber mit vielen kleinen und gezielten Aktionen weiten. Dafür solltest du zunächst ein gutes Gespür dafür entwickeln, wo deine Obergrenze ist und was sie nicht zulässt. Und dann tust du kleine Dinge, die dich aus deiner Komfortzone herausführen, Schritt für Schritt.

6) Umarme die Angst

Wenn du ein großes Projekt angehst, das außerhalb deiner Komfortzone liegt, dann ist es ganz normal, Angst zu haben. Deine Angst bedeutet nicht, dass du mit dem Schreiben auf dem falschen Weg bist. Du kannst deine Angst auch nicht 'wegmachen', daher solltest du versuchen, sie zu akzeptieren. Angst bringt dich nicht um. Sie ist einfach nur da und begleitet dich.

7) Sei geduldig mit dir

Selbstsabotage lässt sich nicht ganz vermeiden und auch nicht sofort ausschalten. Wenn du dich dann jedoch auch noch selbst ausschimpfst, hat dein Schwellentroll leichtes Spiel. Je geduldiger du mit dir selbst bist, desto leichter kommst du wieder ins Schreiben.

8) Verbinde dich mit deinem großen Ziel

Welches Ziel fasziniert dich so richtig, wenn du ans Buchschreiben denkst? Siehst du dich selbst mit dem gedruckten Buch in der Hand? Oder bei einer Lesung mit begeisterten Fans? Oder mit einer berührenden Rückmeldung einer Leserin, deren Leben du mit deinem Buch verändert hast? Such dir eine für dich starke Szene heraus und visualisiere sie, um dich wieder mit deinem Ziel zu verbinden. Das solltest du regelmäßig tun, damit sich das Bild in deinem Unterbewusstsein einprägt und du es auch dann abrufen kannst, wenn deine Arbeit mühsam ist.

Selbstsabotage gehört dazu

Selbstsabotage ist eine natürliche – aber etwas übersteigerte – Reaktion deines sicherheitsliebenden Anteils auf eine neue Situation. Du kannst sie nicht vollkommen unterbinden oder dafür sorgen, dass sie nie wiederkehrt. Aber du kannst sie enttarnen und damit ins Schreiben zurückfinden.

Und wenn du geschickt bist, arbeitest du jeden Tag ein wenig an deiner Obergrenze, damit deine Komfortzone größer wird und Selbstsabotage damit unwahrscheinlicher.

Kämpfe für deinen Traum vom eigenen Roman

In jedem Fall ist Selbstsabotage immer nur eine kleine Episode deines Schreiblebens und nicht das tragische Ende. Du selbst entscheidest, ob sie dir deine Träume nehmen darf.

Bist du bereit, dir deine Macht zurückzuholen?

Ich freue mich auf deine Kommentare!​

Marie Gräff

Marie Gräff ist Schreibcoach und begleitet feinsinnige Menschen dabei, ihr ureigenes Herzensbuch Wirklichkeit werden zu lassen. Ihr ungewöhnlicher Ansatz verbindet handwerkliches Schreiben mit persönlichem Wachstum durch individuelle Unterstützung. Für ganzheitlichen und dauerhaften Erfolg beim Schreiben und ein rundum erfülltes Leben.

http://schwellentroll.de/

Über den Autor:

Jurenka Jurk ist selbst Romanautorin, ihr Roman ist bei Weltbild erhältlich. Aber hauptsächlich unterrichtet sie mit Leidenschaft und viel persönlicher Betreuung, wie man Romane schreibt. Sie hat 2009 den Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der IB Hochschule Berlin abgeschlossen und seither mehr als 200 angehende Autoren Schritt für Schritt bei ihren Schreibprojekten begleitet. www.schreibfluss.com
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